Neue Musikgröße in der Region
 

Chilenischer Komponist Daniel Osorio erhält Kulturpreis - Zukunftspläne liegen im Saarland

 

Saarbrücker Zeitung

Dienstag, 9. Februar 2016

 

International gespielt, mehrfach ausgezeichnet. Der Komponist Daniel Osorio ist nicht nur Förderpreisträger der Stadt Saarbrücken. Gerade bekam er auch noch den Kulturpreis des Regionalverbandes.

 

Stefan Uhrmacher

 

Saarbrücken. Er erforscht die Klänge der Anden und verarbeitet in seinen häufig mit Elektronik funktionierenden Werken Erinnerungen an die Gräueltaten der Pinochet-Diktatur: Seit zehn Jahren zählt der aus Santiago stammende Komponist Daniel Osorio zu den Größen der Neuen Musik unserer Region. Nun bekam der Förderstipendiat der Landeshauptstadt Saarbrücken 2013, dessen Werke international aufgeführt und ausgezeichnet werden, auch noch den mit 2000 Euro dotierten Kulturpreis für Musik 2015 des Regionalverbands Saarbrücken .

Nachdem er zunächst in Chile klassische Gitarre, Komposition und Elektroakustische Musik studiert hatte, absolvierte Osorio ab 2005 als Stipendiat an der Hochschule für Musik Saar (HfM) ein Aufbaustudium in Komposition bei Theo Brandmüller und Stefan Litwin und in Elektronischer Musik bei Stefan Zintel. Neben dem Wirken als Komponist hob Osorio 2014 das alljährliche Festival "eviMus - Saarbrücker Tage für elektroakustische und visuelle Musik" aus der Taufe und steigt mit seiner Partnerin Romina Tobar als Duo "Musikandes" aufs Podium, um die Tradition lateinamerikanischer Folklore zu pflegen. "Mein erster Kontakt mit Musik war während der Pinochet-Diktatur", erzählt Osorio. Nur Wohlhabende hätten sich damals Musikschulunterricht leisten können; die Übrigen, zu denen auch er gehörte, seien als Autodidakten auf indianische Instrumente angewiesen gewesen - die galten in den Augen der Militärs als Symbole des Widerstands. "Trotzdem konnten wir musizieren und auch viel über die indianischen Kulturen wie die Aymara- und Mapuche-Kultur lernen - so konnten wir eine Art von Identität besitzen." Vollends auf die europäische Musikkultur ausgerichtet war dann hingegen das Studium in Chile. "Meine ganze Arbeit Ende der 90er Jahre und Anfang des neuen Jahrtausends war sehr europäisch", erzählt Osorio. Erst bei Stefan Litwin an der HfM habe er begonnen, "mit neuen Methoden zu arbeiten, um Musik zu komponieren, die viel politischer war und mit der indianischen Tradition zu tun hatte". Litwin habe ihm mit auf den Weg gegeben: "Meine musikalischen und politischen Wurzeln sollen das Wichtigste für die Entstehung meiner Musik sein - und er hatte Recht."

Zu Osorios Spezialitäten zählt die Beschäftigung mit chilenischem Instrumentarium, dessen komplexes Klangspektrum er mit verschiedensten elektronischen Prozessen analysiert: "So finde ich das Material für die Organisation der Elemente meiner Musik." Nach dem in den Anden beheimateten Blasinstrument "Zikkus" etwa hat Osorio einen umfangreichen Zyklus aus Stücken für Live-Elektronik in Verbindung mit diversen Soloinstrumenten wie Flöte, Geige, Cello, Klarinette, Saxofon und Klavier getauft, der sich derzeit seiner Vollendung nähert. Einige Teile daraus wurden bereits aufgeführt, etwa in Österreich, Italien und Chile. Das komplette Opus soll schließlich auf CD gebrannt werden, und zwar in Saarbrücken . "Meine Pläne für die Zukunft liegen im Saarland", sagt Osorio, "und natürlich möchte ich auch mit dem Festival "eviMus" weitermachen. Das ist ein großes, wichtiges Projekt - und es gibt noch viel zu tun!"

 

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